Die wirtschaftliche Stimmung in der Schweizer Unternehmenslandschaft zeigt sich im Frühjahr 2026 weiterhin stabil, allerdings mit leicht nachlassender Dynamik. Das zeigt die zweite Auflage des Champagner-Index Schweiz des digitalen Research Instituts Marketagent. Dieses Konjunkturbarometer der etwas anderen Art misst Einstellungen durch implizite und metaphorische Fragestellungen für besonders authentische und unverfälschte Ergebnisse.
Schweizer Wirtschaft: Stabilität statt Überschwang
Der Champagner-Index misst die wirtschaftliche Einschätzung in bildhaften Vergleichen: Wenn die Wirtschaftslage ein Champagnerglas wäre, wie voll wäre es aktuell? Im ersten Quartal 2026 bemessen die 103 befragten Unternehmensinsider*innen den Füllstand im Schnitt mit 62,7 Prozent. Damit bleibt das Glas zwar klar über der Hälfte gefüllt, allerdings ist im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Rückgang erkennbar: 2025 lag der Wert noch bei 68,3 Prozent, was einem Minus von 5,6 Prozentpunkten entspricht. Die Schweizer Wirtschaft verliert damit etwas von ihrem bisherigen Optimismus.
„Der Rückgang ist in erster Linie Ausdruck eines anspruchsvollen internationalen Umfelds. Geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten, das Zins- und Inflationsumfeld sowie der technologische Wandel setzen Unternehmen derzeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig unter Druck. Die etwas verhaltenere Stimmung ist daher weniger als Einbruch, denn als Normalisierung nach den optimistischeren Erwartungen der Vorjahre zu lesen“, analysiert Roland Zeindler, Geschäftsführer der Marketagent Schweiz AG.
Schweiz fühlt sich wirtschaftlich robuster als Österreich
Auch wenn die Schweizer Wirtschaft etwas von ihrem Optimismus verliert, bleibt sie weiterhin positiver als ihr Nachbar Österreich. Der Ländervergleich zeigt, dass es in Österreich deutlich weniger prickelt. Für die benachbarten Business-Insider*innen ist das Glas nicht einmal halb voll. Sie sehen nur durchschnittlich 46,7 Prozent Füllung im metaphorischen Champagner-Glas. Damit sehen Schweizer Unternehmen die wirtschaftliche Lage ihres Landes weiterhin signifikant positiver als österreichische Betriebe.
Eigenes Unternehmen: Realismus statt Euphorie
Die Einschätzung des eigenen Unternehmens zeigt auch 2026 ein solides Selbstvertrauen. Ein Grossteil der Befragten würde sogar privates Geld in Aktien des eigenen Unternehmens investieren (73,8%). Allerdings wird auch hier ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr sichtbar: 2025 lag dieser Wert noch bei 82,0%. Das deutet darauf hin, dass auch die interne Zuversicht der Unternehmen leicht abgenommen hat.
Auch bei der Einschätzung der erwarteten Unternehmensperformance lässt sich eine verhaltenere Einschätzung als im Vorjahr erkennen (19,4% | 2025: 31,0%). Ähnliche Muster zeigen sich bei anderen Indikatoren der Studie: Die Nachfrage nach den „Tickets“ der eigenen Unternehmens-Show wird moderat eingeschätzt. Die Qualität der Entscheidungen erhält im Durchschnitt eine solide, aber keine herausragende Bewertung. Viele Unternehmen glauben weiterhin an ihre Wettbewerbsfähigkeit, sind gleichzeitig aber etwas vorsichtiger in den Erwartungen geworden.
Fazit
Der Champagner im Glas ist in der Schweiz weiterhin deutlich über halb voll, doch das überschäumende Prickeln der Vorjahre hat etwas nachgelassen. Die strukturellen Stärken der Schweiz – Innovationskraft, hohe Produktivität und starke Exportbranchen – sorgen auch 2026 für Zuversicht. Gleichzeitig zeigen die Daten des Champagner-Index, dass Unternehmen die globalen Risiken sehr genau beobachten und ihre Erwartungen entsprechend anpassen. Der Vergleich mit Österreich macht klar: Die Schweizer Wirtschaft bleibt robust, auch wenn das Glas aktuell etwas weniger sprudelt als noch vor einem Jahr.