WM-Radar 2026: Zwischen Fussballfieber und kritischer Distanz

Wenn im Juni 2026 in Kanada, den USA und Mexiko die nächste Fussball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, wird auch in der Schweiz Fussball-Fieber aufkommen, allerdings nicht ganz ungetrübt. Das zeigt das Marketagent WM-Radar 2026 unter 1.000 Schweizerinnen und Schweizern: Zwar wollen 58 Prozent die WM zumindest teilweise verfolgen, gleichzeitig prägen Skepsis gegenüber der FIFA und Kritik an politischer Einflussnahme das Stimmungsbild.

47 Prozent der 1.000 befragten Schweizerinnen und Schweizer der repräsentativen Marketagent-Umfrage geben an, sich grundsätzlich für die Fussball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada zu interessieren. Damit bleibt die WM zwar ein relevantes Massenphänomen, erreicht aber längst nicht jede Bevölkerungsschicht gleichermassen. Männer (57%) zeigen deutlich mehr Interesse als Frauen (38%) und besonders die Generation Z (56%) bleibt dem Turnier verbunden.

Trotz der für Europa wenig komfortablen Spielzeiten plant die Mehrheit einzuschalten: 58 Prozent planen, zumindest einzelne Spiele mitzuverfolgen, rund jede*r Sechste sogar möglichst viele Partien (15%). Gleichzeitig ist der Boykottgedanke in der Schweiz präsent: 11 Prozent geben an, die WM bewusst ignorieren zu wollen.

Die Nati bleibt das Herzstück der WM

Wenn die Schweiz spielt, schaut die Schweiz hin, denn der stärkste Treiber des Interesses an der diesjährigen WM ist die Nati: Unter den Menschen, die die WM verfolgen wollen, interessieren sich 73 Prozent besonders für Spiele der Schweizer Nationalmannschaft. Dahinter folgen Halbfinalspiele und Finale (58%) sowie Begegnungen sympathischer Fussballnationen (52%).

Die wichtigste Fan-Zone bleibt das Wohnzimmer: 82 Prozent werden die Spiele zuhause vor dem Fernseher verfolgen. Knapp ein Viertel plant Besuche in Public-Viewing-Zonen (24%), rund jede*r Dritte möchte die Spiele gemeinsam mit Freundinnen oder Familie erleben (31%).

Der typische WM-Abend ist dabei weit mehr als Sportkonsum: Snacks (39%), gemeinsames Schauen (39%) und Mitdiskutieren (33%) gehören für viele untrennbar dazu. Für rund ein Drittel der männlichen Befragten darf auch ein alkoholisches Getränk nicht fehlen (32% | Frauen: 21%). Jeder achte Schweizer platziert Wetten rund um die Matches (12% | Frauen: 9%).

Vorsichtiger Optimismus für die Nati

Sportlich bleibt die Schweiz realistisch, aber nicht pessimistisch. Die meisten rechnen mit einem Ausscheiden der Nati im Achtel- (35%) oder Viertelfinale (31%). Gleichzeitig glaubt jede zehnte Person daran, dass die Schweizer Nationalmannschaft 2026 den ganz grossen Coup landen könnte (10%).

Fussball verbindet, System Weltfussball polarisiert

Mehr als drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer stimmen zu, dass die Fussball-WM Menschen über Grenzen hinweg verbindet (78%). Zwei Drittel sehen grundsätzlich das Potenzial für positive gesellschaftliche Impulse und mehr Zusammenhalt (66%). Gleichzeitig zeigt sich eine klare Erwartungshaltung: 87 Prozent sind der Meinung, Sportgrossereignisse sollten unpolitisch sein.

Und genau hier entsteht der zentrale Spannungsbogen: Während die WM als verbindendes Erlebnis gesehen wird, empfinden viele die Realität zunehmend anders. 65 Prozent sagen, die Fussball-WM lenke von wichtigeren Problemen ab. Auch der Blick auf das Umfeld des Turniers ist kritisch: Mehr als 6 von 10 missbilligen Korruption und mangelnde Transparenz (64%) bzw. politische Einflussnahme (62%) in Zusammenhang mit Fussball-Megaevents, 54 Prozent kritisieren konkret den Weltfussballverband FIFA und fast jede*r Zweite verweist auf die Umwelt- und Klimabelastung (45%). 

Auch die Wahl der Gastgeberländer wird in der Schweiz keineswegs uneingeschränkt positiv gesehen. Nur 39 Prozent begrüssen die Austragung in Kanada, den USA und Mexiko. Vor allem die USA werden dabei zum politischen Störfaktor: Mehr als jede zweite Person (55%) sagt, dass die politische Lage in den Vereinigten Staaten das persönliche Interesse an der WM beeinflusst. 

Die Fussball-WM bleibt ein emotionales Lagerfeuer, das Menschen zusammenbringt, gleichzeitig zeigt unsere Studie aber deutlich: Die Begeisterung ist heute stärker an Bedingungen geknüpft als früher. Die Menschen wollen grosse Momente erleben, erwarten aber gleichzeitig mehr Transparenz, weniger politische Inszenierung und mehr Glaubwürdigkeit von den Verantwortlichen“, analysiert Roland Zeindler, Geschäftsführer der Marketagent Schweiz AG. 

Diese Website verwendet kleine Textdateien ("Cookies"), um lhnen den bestmöglichen Service zu bieten. Die Verwendungszwecke dieser Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.