Kinder und Jugendliche auf Social Media: Chancen, Risiken und Altersgrenzen

Kinder und Jugendliche bewegen sich wie selbstverständlich auf Social Media, doch die Schweizer Bevölkerung blickt zunehmend kritisch auf deren digitale Lebenswelt. Unsere aktuelle und repräsentative Umfrage unter 1.001 Personen zeigt: Die grosse Mehrheit sieht Social Media deutlich eher als Gefahr, denn als Chance. Gleichzeitig gibt es einen klaren Wunsch nach stärkeren gesetzlichen Rahmenbedingungen und einem Mindestalter für die Nutzung sozialer Plattformen.

International rücken Altersgrenzen für Social Media zusehends in den Fokus der Politik. In Australien ist seit Dezember 2025 ein weltweit einzigartiges Gesetz in Kraft, das soziale Medien für Kinder unter 16 Jahren verbietet und Plattformen verpflichtet, den Zugang entsprechend zu beschränken. In Frankreich hat die Regierung angekündigt, den Zugang zu Social Media für Personen unter 15 Jahren gesetzlich zu untersagen. Die Schweiz diskutiert seit Längerem, ob Social Media stärker reguliert werden soll. Eine aktuelle Marketagent-Umfrage zeigt nun einen klaren Wunsch der Bevölkerung nach stärkeren gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Social Media gilt für Jugendliche überwiegend als gefährlich

Der Befund zum Gefahrenpotenzial von TikTok, Instagram und Co. ist eindeutig: 80 Prozent der 1.001 Befragten aus der Deutsch- und Westschweiz sind überzeugt, dass Social Media für Kinder und Jugendliche eher oder sehr gefährlich ist. Nur ein Fünftel hält die Plattformen für sicher. 

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Studie zeigt, dass sich Risiken wie Cybermobbing, Sucht und problematische Inhalte tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert haben. Zwar werden positive Aspekte wahrgenommen, doch sie fallen im Vergleich deutlich schwächer aus. Als wichtigste Vorteile der Nutzung von Social Media Plattformen nennen die Befragten den leichten Zugang zu Wissen und Bildung (37%), digitale Kompetenzen und frühzeitiger Umgang mit Technik (35%), sowie soziale Vernetzung und Kommunikation (34%). Vor allem die jüngeren Generationen heben auch die Möglichkeiten zu kreativem Ausdruck hervor (Generation Z: 41% | Babyboomer: 21%). 

Dem gegenüber stehen jedoch massive Sorgen, allen voran vor Cybermobbing (69%), übermässiger Nutzung (63%) und sexueller Belästigung (62%) bzw. sexualisierten Inhalten (61%). Auch Desinformation (58%), mentaler Druck (57%), Extremismus (55%) und Gewalt (54%) werden breit als relevante Gefahren wahrgenommen. 

83 Prozent befürworten ein gesetzliches Mindestalter

Während die Verantwortlichen in der Politik noch über die mögliche Regulierung von Social Media diskutieren, zeigt die Marketagent-Studie, dass die Bevölkerung bereits einen Schritt weiter ist. 83 Prozent sprechen sich klar für ein gesetzliches Mindestalter bei der Social Media Nutzung aus. Die gewünschte Altersgrenze liegt im Schnitt bei 15 Jahren. Auffällig ist, dass die Zustimmung über alle Generationen hinweg gleich hoch ist: von der Generation Z bis hin zu den Babyboomern.

Unsere Ergebnisse zeigen sehr klar, dass die Schweizer Bevölkerung den digitalen Alltag junger Menschen mit Sorge betrachtet. Chancen werden zwar gesehen, aber die Risiken überwiegen deutlich. Ein gesetzliches Mindestalter ist für viele deshalb ein wichtiger Schritt, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Social Media zu ermöglichen“, analysiert Roland Zeindler, Geschäftsführer der Marketagent Schweiz AG. 

Wer trägt die Verantwortung? Mehrheit sagt: Die Eltern

Wenn es um die Einhaltung von Altersgrenzen geht, sieht die Bevölkerung die Verantwortung primär bei den Erziehungsberechtigten: 43 Prozent nehmen hier die Eltern in die Pflicht, knapp jede*r Vierte die Plattformen selbst (23%), 19 Prozent den Staat. Die Botschaft ist klar: Eltern sollen ihre Kinder begleiten, Regeln setzen und kontrollieren, aber Plattformen und Politik dürfen sich ihrer Verantwortung ebenfalls nicht entziehen. Gleichzeitig glaubt eine Mehrheit von 64 Prozent, dass Social-Media-Plattformen das Alter ihrer Nutzenden nicht verlässlich überprüfen können. Das Vertrauen in technische Alterskontrollen ist also begrenzt.

TikTok, Snapchat und Instagram gelten als die riskantesten Plattformen

Bei der Frage nach den riskantesten Social-Media-Plattformen für junge Menschen entsteht ein deutliches Bild: TikTok gilt mit 76 Prozent klar als problematischste App. Mit deutlichem Abstand folgen Snapchat und Instagram. Beide werden von jeweils 51 Prozent der Schweizer Bevölkerung als besonders riskant eingestuft. Auch X/twitter und Facebook (je 39%) sowie YouTube (24%) stehen in der Kritik, wenn auch in deutlich geringerem Ausmass. Auffällig ist ein Generationenunterschied: Instagram wird von der Generation Z deutlich häufiger als riskant wahrgenommen (64%) als von Babyboomern (38%). Ein Hinweis darauf, dass jüngere Nutzerinnen und Nutzer die Risiken mancher Plattformen besonders gut einschätzen können, weil sie ihnen im Alltag näherstehen.

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