Teurer Tanken, weniger fahren: So reagiert die Schweiz auf die Krise
Die Belastung ist für viele längst nicht mehr nur theoretisch: Rund 62 Prozent der Bevölkerung geben an, durch die höheren Treibstoffpreise zumindest mittelmässig finanziell belastet zu sein. Besonders hart trifft es einkommensschwächere Haushalte. Dort berichtet beinahe jede zweite befragte Person von einer grossen oder sehr grossen Zusatzbelastung (43%).
Die Folgen zeigen sich auch im Alltag auf Schweizer Strassen: Vier von zehn Personen nutzen ihr Auto, Motorrad oder Moped bereits seltener als früher. Jede*r Neunte hat die Nutzung sogar deutlich reduziert (11%). Wer sein Mobilitätsverhalten angepasst hat, reagiert vor allem mit Ausweichbewegungen: Öffentliche Verkehrsmittel gewinnen an Bedeutung (42%) und viele Menschen gehen häufiger zu Fuss (35%). Auch Fahrrad oder Roller erleben durch die Preisentwicklung zusätzlichen Rückenwind (24%). Und mehr als ein Viertel verzichtet sogar bewusst auf weniger notwendige Wege (27%).
Die Schweizer Bevölkerung rechnet dabei nicht mit einer schnellen Entspannung der aktuellen Situation. Nur eine Minderheit geht davon aus, dass die Preise innerhalb weniger Wochen wieder sinken werden. Ein grosser Teil erwartet hingegen, dass das aktuelle Preisniveau noch viele Monate anhalten könnte (7 Monate oder länger: 40%). Manche glauben sogar, dass die Preise dauerhaft hoch bleiben werden (8%).
Vom Preisschock zur Mobilitätswende: Elektroautos gewinnen an Attraktivität
Die Krise beschleunigt gleichzeitig den Wandel hin zu alternativen Antrieben. Bereits heute würden sich bei einer hypothetischen Neuanschaffung mehr Menschen für Hybrid- oder Elektrofahrzeuge entscheiden als für klassische Verbrenner.
Darüber hinaus zeigt sich ein deutlicher psychologischer Effekt der aktuellen Situation: Jede*r fünfte Befragte gibt an, wegen der aktuellen Entwicklungen bereits auf ein Elektrofahrzeug umgestiegen zu sein oder den Umstieg konkret in Erwägung zu ziehen (21%). Besonders ausgeprägt ist diese Offenheit bei jüngeren Generationen (Generation Z: 28% | Millennials: 26%).
Auch gesellschaftlich wird ein nachhaltiger Wandel erwartet. Mehr als drei Viertel der Schweizer*innen (76%) gehen davon aus, dass die aktuelle Krise der Elektromobilität insgesamt zusätzlichen Schub verleihen wird. Roland Zeindler, Geschäftsführer der Marketagent Schweiz AG, ordnet die Ergebnisse ein:
„Die steigenden Treibstoffpreise treffen die Menschen mitten im Alltag und verändern damit auch Mobilitätsentscheidungen. Was aktuell sichtbar wird, ist nicht nur ein kurzfristiger Sparreflex, sondern möglicherweise ein struktureller Wandel. Die Krise wirkt wie ein Beschleuniger für alternative Mobilitätsformen und die Elektromobilität.“
Die Studie zeigt damit eindrucksvoll, wie stark geopolitische Krisen inzwischen direkt in den Alltag der Bevölkerung hineinwirken und wie rasch wirtschaftlicher Druck Mobilitätsgewohnheiten verändern kann.